Rolfing
Rolfing ist eine Methode, den menschlichen Körper im Schwerefeld der Erde auszurichten. Dies wird erreicht durch manuelle Arbeit an den Faszien, den bindegeweblichen Hüllen der Muskeln und inneren Organe. Als Ergebnis steht ein Körper, der von der Schwerkraft nicht herabgezogen, sondern aufgerichtet wird.
Ida Rolf
Ida Rolf wurde 1896 geboren und begann, damals als Frau
durchaus noch ungewöhnlich, eine wissenschaftliche Karriere. Sie promovierte
in Biochemie und arbeitete einige Jahre am renommierten Rockefeller Institute.
Sie begann sich in den 1930er Jahren für Alternativmedizin zu interessieren und studierte unter anderem Yoga, Osteopathie, Alexandertechnik um Ihre eigene Methode zu entwickeln. Die Bedeutung der Schwerkraft für Gesundheit und Wohlbefinden erkannt zu haben, ist dabei ihre größte Leistung.
Ab den 1960er Jahren begann sie, ihre Methode zu unterrichten. Bei ihrem Tode 1979 hinterließ sie eine lebendige Methode, die sich weiterentwickelt und allmählich über die Welt verbreitet hat.
Faszien
Ida Rolf erkannte, dass die Umhüllungen der Muskeln und Organe - die Faszien - die eigentlichen formgebenden Strukturen des Körpers
darstellen. Unsere Gewohnheiten, wie wir uns bewegen und wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, aber auch Traumata lassen ihre Spuren in den Faszien
zurück. Dabei kommt es häufig zu Verklebungen und Verkürzungen in den Faszien.
Dies führt nicht nur dazu, dass Bewegungen ineffizienter und schwerer werden. Spannungen im
Fasziensystem bringen den Körper im wörtlichen Sinne aus dem Lot.
Diese weißen bindegewebigen Gewebe der Faszien wurden lange Zeit von der Wissenschaft wenig beachtet. Dies hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren geändert.
Es stellte sich heraus, dass die Faszien ein wichtiges Sinnesorgan sind, das eine Vielzahl von mechanischen Reizen wahrnehmen kann. Weiterhin wurden Zellen in den Faszien gefunden, die die Spannung in den Faszien regulieren können. Damit sind einige Grundannahmen des Rolfing der Wissenschaft zugänglich geworden.
Schwerkraft
Die Schwerkraft wirkt für die Gesamtdauer unseres Lebens auf uns ein. Ein erheblicher Teil unseres Bewegungsapparates, unserer Sinnesorgane und unseres Nervensystems ist damit beschäftigt, uns aufrecht im Schwerefeld zu halten, ohne dass wir gewöhnlich diese Leistung bewusst wahrnehmen.
Je mehr der Körper aus dem Lot gerät, desto mehr Ressourcen werden für Bewegungen im Schwerfeld gebraucht. Dies kann sich dann in verspannten Muskeln, Schmerzen, fehlender Energie, unharmonischen Bewegungen und sogar psychischen Beeinträchtigungen äußern.
Wenn der Körper wieder besser ins Lot gebracht wird und die verschiedenen Abschnitte des Körpers aufeinander ausgerichtet sind, kann der menschliche Körper leichter im Schwerefeld navigieren. Dann zieht uns die Schwerkraft nicht mehr herab, sondern orientiert uns im Raum und richtet uns weiter auf.
Die 10er Serie
Rolfing findet gewöhnlich im Rahmen von 10 Sitzungen statt. Dabei hat jede Sitzung ihr eigenes Thema, so ist zum Beispiel die erste Sitzung der Atmung und die zweite den Füßen gewidmet. Die Sitzungen bauen dabei aufeinander auf und sind thematisch aufeinander abgestimmt.
Neben der Arbeit an den Faszien stehen alltägliche Bewegungen wie Gehen, Stehen und Sitzen im Vordergrund. An diesen einfachen Tätigkeiten werden das Körperbewusstsein und die Wahrnehmung von Boden und Raum geschult.
Als Ergebnis der 10er Serie können oft erhebliche visuelle Veränderungen auftreten, gerade wenn der Körper sehr stark aus dem Lot geraten war. Allerdings kann die Serie auch mit einem weniger deutlichen äußeren Ergebnis verlaufen und trotzdem starke innere Veränderungen bewirkt haben.
Im obigen Beispiel eines jungen Mädchens sind deutliche Veränderungen der Körperstruktur erkennbar. Die Knie sind nicht mehr nach hinten überstreckt, das Becken ist frei, der Brustkorb hat mehr Platz zum Atmen und der Kopf ist nicht mehr nach vorne verschoben.
